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Marokko |
Einwohnerzahl (Weltrang): 30 113 000 (37)
Fläche (Weltrangplatz): 458 730 km² (54)
Hauptstadt: Rabat
Autokennzeichen: MA |
Marokko - Maroc - Marruecos
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Reiseberichte / Texte zu Marokko
kühne Tourismuspläne
der Norden
einzelne Orte in Marokko: Casablanca
Fes
Meknes
Rabat
Tanger
Volubilis
Fes
Die königlichste aller
Königsstädte, die Unvergleichliche, die Widersprüchliche, wurde im 9.
Jahrhundert Mittelpunkt nicht nur des Reiches sondern durch die
Karaouine-Moschee über Jahrhunderte hinweg das Zentrum islamischen Glaubens und
Wissens für den gesamten maghrebinischen Raum. Denn die Freitagsmoschee war die
zweitälteste Universität der Erde, wo die berühmtesten Wissenschaftler ihrer
Zeit bis zu 8000 Studenten aller Fakultäten unterrichteten. Ihre Gelehrten sind
auch heute noch die oberste Instanz in Fragen des Glaubens. Im Jahre 818 hatten
sich etwa 300 Familien aus Kairuan hier niedergelassen, ein paar Jahre vorher
auf der anderen Seite des Flusses Fes mehrere hundert Familien, die aus
Andalusien geflohen waren, wodurch zwei Stadtteile entstanden, die lange Zeit
miteinander rivalisierten. Zur Bevölkerung hinzu kamen Juden, Berber und die
Sklaven der Haratin. Die maurisch-andalusische Kultur, die die aus Spanien
geflohenen Araber mitbrachten , hat unzählige Prachtbauten geschaffen, in denen
sich klare Architektur mit geschnitztem Zedernholz und tausendfach wiederholten
und variierten abstrakten geometrischen oder stilisierten Flächenmustern aus
Mosaiken und Stuckornamenten zu wahren Meisterwerken der Baukunst vereinen. Die
wichtigsten sind neben der Karaouine- und der andalusischen Moschee die
Grabmoschee des Stadtgründers Moulay Idriss II, die einstigen
Karawansereien (Fuduq oder Fondouk) sowie die zahlreichen
ehemaligen Hochschulen, die den Studenten auch als Unterkunft dienten. Die
bedeutendsten und besonders reich verzierten sind die Medersa
(d.i.Hochschule) Bou Inania und die Medersa Attarine, die heute
als Museum dienen und besichtigt werden können. Außerdem gibt es Hunderte von
prächtigen Palästen, einige davon wie z.B. das „Riad Fes“ liebevoll zum
Hotel umgebaut.
Den schönsten Blick auf die
Medina hat man zwei Aussichtspunkten: Morgens vom Borj Sud und abends von
den Merinidengräbern im Norden. Wenn man da auf das ruhige Dächermeer
hinunterblickt, kann man sich nicht vorstellen, welches Treiben da unten
herrscht. Denn die Altstadt ist kein Museum , Hunderttausende Menschen leben in
ihr. Und das Leben hat sich hier auch in den dreißig Jahren in denen ich es
kenne, kaum verändert. Die Frauen sind nach wie vor verschleiert, in den
Handwerkergassen wird immer noch mit den einfachsten Werkzeugen gearbeitet,
der Esel ist das Transportmittel schlechthin, die Kinder holen das im Haushalt
benötigte Wasser am Brunnen der Gasse, und die Mütter bringen die Teigfladen in
die Backstube ihres Wohnviertels, das für den Fremden tabu ist. In den Souks
preisen die Händler lautstark ihre Waren an. Man hört Weberschiffchen klappern
und das Hämmern der Kupferschmiede. Aus den offenen Fenstern der -
nichtstaatlichen -Koranschulen klingen die hellen Stimmen der Vorschulkinder,
die unablässig die Suren des Korans wiederholen. Man nehme sich Zeit und Muße in
dieses Labyrinth von Gässchen, Treppen, Durchgängen und Gewölben einzutauchen
und die faszinierenden Bilder, Gerüche und Geräusche in sich aufzunehmen. Man
muss allerdings allein gehen mit einem Führer und nicht in der Gruppe , sonst
wird es kein Erlebnis werden, sondern eher eine Qual wegen der
Souvenirverkäufer.
Wollten Sie schon mal eine
Zeitreise machen? Die Höfe der Gerbereibetriebe versetzen Sie in tiefstes
Mittelalter! In den bienenwabenartig angelegten Trögen werden Tierhäute
gewässert und mit scharfen Laugen behandelt, in denen Männer und Jugendliche
den ganzen Tag arbeiten, um die scharfen chemischen Zusätze – auch Taubenkot ist
beigemengt - mit ihren bloßen Beinen zu verrühren, die Häute weich zu treten
und auszuwringen. Ein bestialischer Gestank durchdringt die Luft. Das Einzige
was sich seit dem Mittelalter verändert hat außer den Zusätzen, ist, dass es
keine ganz oder fast nackten Kinder mehr sind, die die Arbeit verrichten. Heute
sind es Saisonarbeiter, die sich umgerechnet ein paar Euro am Tag verdienen.
Zwei Kilometer weiter winkt die
Neuzeit mit all ihren Annehmlichkeiten: Die moderne Stadt mit breiten Avenuen,
Hotels die jeden Wunsch erfüllen, elegante Geschäfte, schicke Restaurants,
attraktive westlich gekleidete Frauen.
Fes das sind zwei Zeitebenen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des
Rechteinhabers, © by Heiko Trurnit
2003
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